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Produkttest

Wer braucht schon Lego? Der Klemmbaustein-PC von Pantasy versprüht 90er-Jahre-Charme

Ich wollte schon lange wissen, wie gut Lego-Alternativen sind. Mit dem «Retro 90s PC» von Pantasy habe ich das perfekte Projekt gefunden.

Legos Dauerklagen, ihre hohen Preise und die nicht über alle Zweifel erhabene Qualität sind mir längst ein Dorn im Auge. Trotzdem bin ich den dänischen Klemmbausteinen stets treu geblieben. Gerade bei ihren Markenkollaborationen bleiben sie unschlagbar. Hätten sie einen Original-486er-PC von Compaq, IBM oder Siemens Nixdorf im Angebot, wäre ich wohl auch wieder schwach geworden. Stattdessen bin ich über eine vielversprechende Replika von Pantasy gestolpert.

Pantasy gehört zur wachsenden Zahl von Lego-Alternativen. Das chinesische Unternehmen bietet ausgefallene und detaillierte Sets von den Peanuts über Kung Fu Panda bis zu Garfield. Ein grosser Fokus liegt auf der Retro Collection. Dazu zählt auch der «Retro 90s PC». Ein Traum für jemanden wie mich, der in dieser Zeit aufgewachsen ist. Mal schauen, ob mir die chinesische Interpretation unseres ersten Familien-PCs genauso viel Freude bereitet wie das Original vor 35 Jahren.

Ganz viele Säckchen und eine dicke Anleitung.
Ganz viele Säckchen und eine dicke Anleitung.

Wie damals, nur ohne blutige Hände

Eine interaktive Videoanleitung wie bei vielen Lego-Sets gibt es leider nicht. Dafür liegt der Verpackung ein dickes Heft bei, das mir auf 147 Seiten Schritt für Schritt erklärt, was ich zu tun habe. Die Säcke mit den Teilen sind mit 1 bis 9 beschriftet. Die meisten kann ich von Hand aufreissen, bei einigen brauche ich eine Schere.

Als Erstes baue ich das PC-Gehäuse zusammen. Welche Teile ich pro Schritt benötige, wird in einem blauen Fenster angezeigt. Darunter sehe ich rot umrandet, wo ich sie hinstecken muss. Weil PCs, besonders damals in den 90ern, unscheinbare grauweisse Kisten waren, gestaltet sich der Anfang etwas eintönig – zumindest farblich. Die meisten Teile sind schwarz, grau oder weiss. Aber so waren die Zeiten, als es RGB-Beleuchtung nur in der Disco gab.

Die Farbauswahl ist vorlagebedingt etwas eintönig.
Die Farbauswahl ist vorlagebedingt etwas eintönig.

Was das Klemmbaustein-Set zum Glück nicht reproduziert, sind blutige Hände und Finger. Ohne Erste-Hilfe-Koffer wagte sich kein vernünftiger Mensch an die rasiermesserscharfen Metallgehäuse.

Andere Reihenfolge als bei Lego, gleiche Farbproblematik

Obwohl die Anleitung klar verständlich ist, unterläuft mir bei der Abdeckung mit dem Power- und Resetknopf ein erster Fehler. Ich habe die Reihenfolge nicht eingehalten. Der Grund: Sie ist anders, als ich sie von Lego kenne. Hat es auf einer Seite mehrere Schritte über- und nebeneinander, beginne ich gewohnheitsmässig oben links und gehe dann unten links weiter. So macht es Lego. Bei Pantasy ist die Reihenfolge oben links, oben rechts, unten links, unten rechts. Ein Detail, aber ich falle noch ein paar Mal darauf herein, bis sich mein Hirn angepasst hat.

Lego (links) setzt auf eine andere Reihenfolge als Pantasy (rechts).
Lego (links) setzt auf eine andere Reihenfolge als Pantasy (rechts).

Genau wie bei Lego gibt es auch hier Grautöne, die ich kaum unterscheiden kann. Da die Farben in der Anleitung nie so aussehen wie in echt, ist oft Rätselraten angesagt. Ist das nun hellgrau oder dunkelgrau? Meist hilft das Ausschlussverfahren.

Auf das Gehäuse folgen die Komponenten. Beim Zusammenbau des Mainboards bekomme ich Flashbacks an meine Automatiker-Lehre. Damals bei der ABB habe ich fleissig Transistoren, Kondensatoren und Widerstände angelötet. Nicht, dass aus der Zeit etwas Hilfreiches hängen geblieben ist. Zum Glück reicht hier ein Klick aus, um die Bauteile zu montieren, obwohl ich gerne mal wieder den Lötkolben benutzt hätte. Der Geruch des geschmolzenen Lötzinns steigt mir beim Gedanken daran sofort wieder in die Nase.

Das Board sieht man nachher zwar nicht mehr, beim Zusammenbau kommen wenigstens andere Farben zum Einsatz.
Das Board sieht man nachher zwar nicht mehr, beim Zusammenbau kommen wenigstens andere Farben zum Einsatz.

Vom Mainboard sehe ich nichts mehr, sobald ich das Gehäuse verschliesse. Aber ich weiss, dass es drin ist, und das zählt. Sonst kann ich mit einem Griff eine Seitenwand oder den Deckel abnehmen, um meine Arbeit zu bewundern.

Sticker an der unpassendsten Stelle

Genau wie mein Lehrmeister meine nicht perfekten Lötstellen kritisierte, könnte ich auch bei Pantasy den Tüpflischeisser raushängen lassen. Bei einigen Teilen sind feine Linien vom Herstellungsprozess sichtbar. Sie stören aber nicht.

An einigen Stellen sind Spuren des Herstellungsprozesses sichtbar.
An einigen Stellen sind Spuren des Herstellungsprozesses sichtbar.

Dafür sind die meisten visuellen Elemente direkt auf die Steine gedruckt. Lego setzt häufig auf Aufkleber, was oft bemängelt wird. Leider verwendet Pantasy genau dort Aufkleber, wo es am meisten stört. Der Laufwerksschaft für die Floppy Disk ist äusserst schmal. Weil ich den Aufkleber bei der Diskette einmal neu ansetzen muss, steht eine Ecke minimal ab. Das reicht bereits aus, dass der Aufkleber beim Einstecken anstösst. Bereits nach wenigen Malen sieht er abgenutzt aus.

Meine Floppy Disk sieht schon nach zweimaligem Einstecken lädiert aus.
Meine Floppy Disk sieht schon nach zweimaligem Einstecken lädiert aus.

Das CD-Laufwerk ist besser gelöst. Die CD selbst ist eine unbedruckte Plastikscheibe. Das Laufwerk schiebe ich auf Knopfdruck heraus, wenn ich die kleine Disc begutachten will.

Beim Bildschirm klebt Pantasy das Windows-Hintergrundbild ebenfalls auf. Hier kommt allerdings ein erstaunlich dickes Element zum Einsatz. In der Mitte ist ein Fenster mit dem Kultspiel «Minesweeper» abgebildet. In der Mitte ist ein drehbares Klemmbaustein-Element. Auf der einen Seite sehe ich ein leeres Spielfeld und auf der anderen aufgedeckte Zahlen. Für das Element braucht es einen zweiten Aufkleber. Diesen muss ich genau platzieren, sonst klemmt das Drehelement am Hintergrundbild.

Der Bildschirm besitzt ein interaktives «Minesweeper»-Spiel.
Der Bildschirm besitzt ein interaktives «Minesweeper»-Spiel.

Hinzu kommt, dass ich das Teil falsch einsetze, sodass es zuerst schräg ist. Also muss ich den Bildschirm wieder aufmachen, was mir erst recht PC‑Bastler-Vibes beschert.

Den Monitor klicke ich anschliessend auf das PC-Gehäuse. Wie ein echter Monitor kann ich ihn drehen. Etwas schade finde ich, dass ich den oberen Teil des Monitors abnehmen muss, wenn ich die zwei alternativen Bildschirmhintergründe einsetzen will. Hier hätte ich mir einen schmalen Slot gewünscht.

Neben dem aufgeklebten Hintergrundbild gibt es zwei optionale, die ich einsetzen kann.
Neben dem aufgeklebten Hintergrundbild gibt es zwei optionale, die ich einsetzen kann.

Zum Schluss folgt die Peripherie. Die Tastatur gibt es nur im 100‑Prozent-Layout. Tastatursnob Kevin würde angewidert das Gesicht verziehen. Mich stört eher, dass sie nicht ganz flach aufliegt. Die Maus sieht auch schnuckelig aus und hat passend ein viel zu kurzes Kabel, das ich auf der Rückseite des PCs einstecke. Dass eine Kugel fehlt, die ich regelmässig von Staub befreien dürfte, ist etwas enttäuschend. Das war damals etwas vom Befriedigendsten. Andererseits sollte ich vielleicht überhaupt mal etwas in meinem Büro abstauben, bevor ich mir neue Staubfänger dazu wünsche.

Hey, du kleine Maus.
Hey, du kleine Maus.

Fazit

ein gelunger Nostalgietrip

Es muss nicht immer Lego sein. Das war mir zwar vorher schon klar, aber jetzt kann ich es selbst bestätigen: Pantasy liefert mit dem Retro 90s PC ein hübsch designtes Stück Nostalgie. Die Anleitung ist verständlich, die Klemmbausteine sauber hergestellt und viele visuelle Elemente sind aufgedruckt. Schade hat man an der dümmsten Stelle gespart und bei der Floppy Disk einen Aufkleber verwendet, der schnell beschädigt ist.

Ansonsten gibt es viele kleine Spielereien wie das interaktive «Minesweeper», das CD-Laufwerk oder die austauschbaren Hintergründe. Wenn du die alten grauweissen Maschinen noch aus deiner Kindheit kennst, wie ich, bekommst du von Pantasy ein schönes Set geschenkt. Und das beste: Wenn das Gerät so vergilbt wie mein Lego-R2D2 ist das nicht mal schlimm. Dann wirkt er sogar noch authentischer.

Pro

  • wunderschöne Nachbildung eines 90er-Jahre PCs
  • interaktive Spielereien
  • viele aufgedruckte Elemente

Contra

  • Disketten-Aufkleber löst sich ab
  • Kleinere Schönheitsfehler, wie Tastatur, die nicht flach aufliegt

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Als Kind durfte ich keine Konsolen haben. Erst mit dem 486er-Familien-PC eröffnete sich mir die magische Welt der Games. Entsprechend stark überkompensiere ich heute. Nur der Mangel an Zeit und Geld hält mich davon ab, jedes Spiel auszuprobieren, das es gibt und mein Regal mit seltenen Retro-Konsolen zu schmücken. 


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