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Shutterstock/Tatjana Meininger
Hintergrund

Milch oder nicht Milch, das ist hier die Frage: Alpro benennt «Not Milk» um

Debora Pape
17/9/2026

Ein Urteil des Schweizer Bundesgerichts zwingt Alpro seinen Haferdrink wegen Verwechslungsgefahr umzubenennen. Auch die Namen veganer Fleischalternativen sind unter Beschuss. Zeit für eine kleine Übersicht der Nicht-Produkte.

Ein weißer Getränkekarton, auf dem in großen, blauen Lettern der Schriftzug «NOT M💧LK» prangt: So präsentiert sich die Verpackung der pflanzlichen Milchalternative aus Hafer von Alpro. Keine glücklichen Kühe weit und breit, kein Begriff wie «Vollmilch». Nicht mal ein Glas mit weißer Flüssigkeit ist abgebildet, dafür die Wörter «pflanzlich» und «Hafer».

Was könnte diese Packung enthalten?
Was könnte diese Packung enthalten?
Quelle: Alpro

Und doch sieht das Schweizer Bundesgericht in diesem konkreten Fall eine Verwechslungsgefahr mit Kuhmilch. Im März 2026 wies es eine Beschwerde von Alpro gegen die strengere Auslegung der Kennzeichnungsvorschriften ab. Jetzt benennt Alpro die Milch weiße Flüssigkeit, die wie Milch Eutersekret von Kühen schmeckt, um. Das Produkt mit dem vollständigen Namen «Shhh… This is not milk» (übersetzt: Pssst… Das ist keine Milch) heißt zukünftig «Shhh… This is tasty» (... Das schmeckt). Alle Unklarheiten beseitigt.

Die Umbenennung gibt der Mutterkonzern Danone bekannt. Betroffen ist nur der Schweizer Markt. In der Pressemitteilung weist das Unternehmen darauf hin, dass seit Einführung von «Not milk» ... du weißt schon was … vor fünf Jahren keine Beschwerde wegen einer Verwechslung mit Kuhmilch eingegangen sei.

Wenn du jedenfalls künftig bei uns die Alpro-Milch … meine Güte … das Alpro-Tasty-Dings kaufen willst, musst du dich an einen neuen Suchbegriff gewöhnen. Oder du speicherst die folgenden Produkte einfach in den Favoriten. Den Drink gibt es auch fettreduziert und als Barista-Variante.

Was ist denn nun Milch?

Das Eidgenössische Departement des Innern (EDI) gibt eine genaue Definition für Milch vor: «Milch ist das durch ein- oder mehrmaliges Melken gewonnene Erzeugnis der normalen Eutersekretion eines oder mehrerer Tiere der Säugetierarten nach Artikel 2 Buchstabe a.» Dass eine Milchalternative aus Hafer weder aus Eutern noch überhaupt von Tieren stammt, ist klar. Demnach ist Hafermilch keine Milch und darf sich auch nicht so nennen.

Das Schweizer Bundesgericht verbietet bei Bezeichnungen von pflanzlichen Alternativen auch die «negative Auslobung», etwa die Bezeichnung «Das ist keine Milch». Auch typografische Änderungen, wie bei Alpro der Tropfen anstelle des «i» im Wort «Milk», sind tabu.

Die Vereinigung Swissmilk, die Schweizer Milchproduzenten vertritt, freut sich über das Urteil und schreibt etwas unglücklich formuliert dazu: «Die Bezeichnung Milch ist ein naturbelassenes Produkt tierischen Ursprungs und darf nicht für pflanzliche Alternativen verwendet werden.» – kennt man ja von Kokosmilch und Sonnenmilch. Eine Barista-Milchalternative mit Kokosmilch hat Alpro übrigens auch im Sortiment.

Auch Eier und Fleisch beschäftigen Gerichte

Ein ähnlicher Fall sorgt in Deutschland für Aufsehen, aber mit anderem Ausgang: Am 15. September stützte das Schleswig-Holsteinische Oberlandesgericht die Bezeichnung «Likör ohne Ei» für ein alkoholhaltiges Getränk.

Ein Startup wehrt sich damit erfolgreich gegen die Klage des Schutzverbandes der Spirituosen-Industrie, der gegen den Namen vorgehen wollte. Dieser erinnere zu sehr an Eierlikör, der aber Eier enthalten muss. Was keine Eier enthält, dürfe demnach auch nicht so tun, als ob. «Eierlikör-Alternative» oder «kein Eierlikör» wäre wegen des Gebrauchs der Eierlikör-Bezeichnung aber nicht zulässig. Kompliziert, ich weiß. Der Schutzverband will den Prozess in der nächsten Instanz fortführen.

Milch und Likör sind nur zwei Schauplätze bei der Rangelei um die Namen pflanzlicher Alternativprodukte. In der Schweiz legt das Grundsatzurteil aus 2025 fest, dass Bezeichnungen mit Tiernamen nicht zulässig sind. Das betrifft nach Auffassung des Gerichts unter anderem «planted.chicken» oder «wie Schwein». Im Juli 2026 weiteten die Richterinnen und Richter das Verbot aus: Demnach sind auch Bezeichnungen wie «vegane Salami» und «vegane Mortadella» unzulässig.

In der EU bleiben Produktbezeichnungen wie «Veggie-Wurst» vorerst erlaubt. Eine Initiative wollte durchsetzen, dass nur Fleischprodukte als Schnitzel, Wurst und Burger bezeichnet werden dürfen. Das EU-Parlament erteilte dem vorerst eine Absage, könnte aber erneut darüber abstimmen. Umstritten bleiben zudem konkrete Tierbezeichnungen wie «Hähnchen» oder «Schwein» für fleischfreie Produkte.

Verbote gegen den Trend zur flexitarischen Ernährung

Letztlich wirft das Alpro-Urteil die Frage auf, ob es bei der ganzen Debatte tatsächlich um Verwechslungsgefahren geht. Obwohl pflanzliche Alternativen seit Jahren direkt neben Kuhmilch im Regal stehen, sind keine größeren Fälle bekannt geworden, in denen Konsumentinnen und Konsumenten massenhaft zum falschen Produkt gegriffen hätten.

Gleichzeitig liegt die flexitarische Ernährung im Trend. Wer gelegentlich auf tierische Produkte verzichtet, orientiert sich bei Alternativen häufig am vertrauten Geschmack und dem Aussehen. Begriffe wie «Milchalternative», «pflanzliches Steak» oder «Veggie-Wurst» helfen dabei, Produkte schnell einzuordnen. Sie beschreiben weniger deren Ursprung als vielmehr ihre Funktion.

Die Umbenennung von «This is not milk» zu «This is tasty» zeigt das Dilemma gut: Der neue Name ist juristisch sicherer, verrät aber deutlich weniger darüber, was sich in der Verpackung befindet. Wie das Verbot bestimmter Begriffe zu einer besseren Orientierung im Supermarkt beitragen soll, ist mir ein Rätsel.

Titelbild: Shutterstock/Tatjana Meininger

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Fühlt sich vor dem Gaming-PC genauso zu Hause wie in der Hängematte im Garten. Mag unter anderem das römische Kaiserreich, Containerschiffe und Science-Fiction-Bücher. Spürt vor allem News aus dem IT-Bereich und Smart Things auf.


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