

Nichts verkörpert Sommer im Interior so sehr wie Fransen, die im Wind tanzen
Fransen machen aus starren Objekten lebendige. Was auf den Laufstegen längst angekommen ist, schwappt jetzt ins Interior über. Drei Pieces zeigen das.
Kaum ein Detail schafft so viel Lebendigkeit wie Fransen. Sie hängen nie einfach nur da – sie reagieren. Auf einen Luftzug, auf einen Schritt, auf eine Handbewegung. Genau das macht sie zum Gegenpol zu den cleanen, ruhigen Formen, die unsere Wohnzimmer sonst dominieren.
Am Salone del Mobile in Mailand und bei den «3daysofdesign» in Kopenhagen war der Trend live zu sehen: Fransen an Sesseln, an Wandhaken, sogar an Gläsern. Auch meine Kollegin Stephanie Vinzens hat den Trend bereits für die Modewelt eingeordnet: Laufstege und Streetstyle sind sich einig, und laut Tagwalk-Daten hat die Präsenz von Fransen in den diesjährigen Frühlingskollektionen um ganze 60 Prozent zugenommen. Was an Taschen, Jacken und Schals baumelt, findet nun seinen Weg in die Inneneinrichtung.
Drei Fransen-Pieces, die (fast) tanzen
Mit «Il Cuscino» zeigen Caia Leifsdotter und Koné, wie Fransen selbst schwere Möbelstücke leicht wirken lassen. Für den Metallhocker wählte Caia Leifsdotter feinstes Leder aus Konés Archiv, das in der patentierten «Silver Root»-Form zu einer skulpturalen Silhouette verarbeitet wurde – jedes Stück wird auf Bestellung gefertigt.



Bei «Selene Catena» von Spaces Within verwandelt sich die harte Kette eines Wandhakens in die Weichheit einer Seidenquaste. Die Quaste fällt wie Stoff und entwickelt über die Zeit eine eigene Patina – ein Detail, das mit jedem Gebrauch persönlicher wird.

Auch beim Cocktailglas ist Spiel Programm: Natalia Criados «Celebration Cup», entstanden in Zusammenarbeit mit Taller Marmo, umhüllt einen konischen Kelch mit einem Schleier aus versilberten Messingketten. Handwerk aus Italien, das aus dem Ritual des Cocktailtrinkens ein kleines Schauspiel macht.


Bewegung statt Stillstand
Der eigentliche Unterschied zu klassischen Dekor-Elementen liegt nicht im Material, sondern im Verhalten: Ein Haken mit hängenden Ketten wippt, schwingt, fängt Licht ein. Genau dieser Bruch mit der Perfektion, die der Minimal-Chic-Stil sonst bestimmt. Bereits vor rund zwei Jahren brachte Designerin Tiffany Howell diesen Reiz gegenüber Architectural Digest auf den Punkt: Möbelstücke sind von Natur aus starr, doch sobald ein Fransenbesatz mitschwingt, entsteht ein «interaktiver Raum» – fast wie bei tanzenden Flapper-Kleidern der 1920er.
Ursprünglich hatten Fransen eine ganz praktische Funktion: Sie sollten Stoffkanten vor dem Ausfransen schützen und wurden unter anderem von indigenen amerikanischen Gemeinschaften verwendet, wie Keramikdesignerin Analuisa Corrigan im selben Artikel erklärt. Erst mit der Zeit wurden sie zum rein dekorativen Element.
Fransen für zuhause
Du musst nicht bis zur nächsten Designmesse warten, um dir ein Stück von diesem Wind-Effekt nach Hause zu holen. Auch im Galaxus-Sortiment findest du Kissen, Lampen und Deko mit demselben verspielten Detail.
Wie ein Cheerleader befeuere ich gutes Design und bringe dir alles näher, was mit Möbeln und Inneneinrichtung zu tun hat. Regelmässig kuratierte ich einfache und doch raffinierte Interior-Entdeckungen, berichte über Trends und interviewe kreative Köpfe zu ihrer Arbeit.
Vom neuen iPhone bis zur Auferstehung der Mode aus den 80er-Jahren. Die Redaktion ordnet ein.
Alle anzeigen













